Warum machen selbst erfahrene Mitarbeiter Fehler bei der Arbeit? Ein Blick auf menschliche Faktoren zeigt, warum Wissen allein nicht immer ausreicht und wie sichere Gewohnheiten dazu beitragen können, Verletzungen zu vermeiden.
Niemand geht zur Arbeit mit der Absicht, sich zu verletzen. Dennoch bleiben Arbeitsunfälle in Europa eine große Herausforderung. Laut Eurostat gab es 2023 in der EU rund 2,82 Millionen nicht tödliche Arbeitsunfälle, die zu mindestens vier Ausfalltagen führten, sowie 3.298 tödliche Arbeitsunfälle.
Und das trotz jahrzehntelanger Fortschritte in der Arbeitssicherheit. Unternehmen verfügen heute über bessere Arbeitsmittel, strengere Vorschriften, Gefährdungsbeurteilungen, Verfahren, persönliche Schutzausrüstung und umfassende Schulungen zur Arbeitssicherheit. Warum machen also auch erfahrene und geschulte Mitarbeiter weiterhin Fehler, die zu Verletzungen führen können?
Wer menschliche Fehler vermeiden oder reduzieren möchte, muss diese Frage aus einer anderen Perspektive betrachten. Neben Gefährdungen, Regeln und Verfahren spielen auch menschliche Faktoren eine wichtige Rolle, da sie die Leistungsfähigkeit im entscheidenden Moment beeinflussen können.
Genau hier unterscheidet sich SafeStart von herkömmlichen Schulungen zur Arbeitssicherheit. Mitarbeiter lernen zu erkennen, wann ihr körperlicher oder mentaler Zustand die Wahrscheinlichkeit eines unbeabsichtigten Fehlers erhöht, und entwickeln praktische Fähigkeiten, um dieses Risiko zu reduzieren.
Was sind menschliche Fehler in der Arbeitssicherheit?
Es ist allgemein anerkannt, dass menschliche Faktoren bei einem großen Teil der Arbeitsunfälle eine Rolle spielen. Häufig werden Zahlen zwischen 80 und 90 Prozent genannt. Der genaue Anteil variiert jedoch erheblich, je nachdem, wie menschliche Fehler und Unfallursachen definiert werden.
Entscheidender ist ein anderer Punkt: Menschen machen Fehler. Auch erfahrene, gut ausgebildete Mitarbeiter.
Ein menschlicher Fehler bedeutet nicht automatisch Fahrlässigkeit oder mangelnde Kompetenz. In der Arbeitssicherheit wird häufig zwischen Ausführungsfehlern, Gedächtnisfehlern, Entscheidungsfehlern und bewussten Regelverstößen unterschieden.
Ein Ausführungsfehler liegt beispielsweise vor, wenn jemand das Richtige tun möchte, die Handlung aber falsch ausführt. Bei einem Gedächtnisfehler wird etwas vergessen. Bei einem Entscheidungsfehler wird die Handlung wie geplant ausgeführt, aber der Plan selbst war falsch. Ein bewusster Regelverstoß unterscheidet sich davon, weil eine Regel oder ein Verfahren absichtlich nicht eingehalten wird.
Diese Unterschiede sind wichtig, denn Mitarbeiter einfach aufzufordern, „besser aufzupassen“, trägt wenig dazu bei, ähnliche Fehler in Zukunft zu vermeiden.
Warum Unfalluntersuchungen tiefer gehen müssen
Larry Wilson beschäftigt sich mit diesem Thema in seinem Artikel „Human Error is Not a Cause, It's a Consequence.“. Seine zentrale Aussage: „Menschliches Versagen“ sollte nicht das Ende einer Unfalluntersuchung sein. Stattdessen sollte sich eine weitere Frage anschließen: Was hat diesen Fehler wahrscheinlicher gemacht?
Ein einfaches Beispiel sind Passwörter. Fast jeder hat schon einmal ein bekanntes Passwort falsch eingegeben, obwohl er es eigentlich auswendig kennt. Wenn wir in Hektik sind, müde, frustriert oder abgelenkt, passieren solche Fehler leichter.
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Das Passwort noch einmal zu erklären, würde daran wenig ändern, denn fehlendes Wissen war nie das eigentliche Problem.
Auch bei der Analyse von Arbeitsunfällen lohnt sich deshalb ein genauerer Blick auf Faktoren wie Müdigkeit, Arbeitsbelastung, Zeitdruck, Ablenkung, Kommunikation, Verfahren und Arbeitsumgebung. So geht die Unfalluntersuchung über die reine Schuldfrage hinaus und konzentriert sich stärker auf Prävention.
Wie menschliche Faktoren Arbeitsunfälle beeinflussen
Menschliche Faktoren beschreiben, wie Menschen mit ihren Aufgaben, Arbeitsmitteln, ihrer Umgebung und anderen Personen interagieren. Dabei wird berücksichtigt, dass die menschliche Leistungsfähigkeit nicht konstant ist und sich damit auch die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers verändern kann.
Larry Wilson stellt in „Paradigmenwechsel #01: Gefahr oder menschliches Versagen?“ die Frage, ob die Kontrolle von Gefährdungen allein ausreicht.
Schutzeinrichtungen, PSA, Verfahren und technische Schutzmaßnahmen bleiben unverzichtbar. Trotzdem können Menschen Fehler machen, durch die sie mit Gefährdungen oder gefährlicher Energie in Kontakt kommen.
Warum Hektik, Frustration, Müdigkeit und Selbstüberschätzung wichtig sind
SafeStart konzentriert sich auf vier Zustände, die die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers erhöhen können:
- Hektik
- Frustration
- Müdigkeit
- Selbstüberschätzung
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Hektik kann dazu führen, dass Arbeitsschritte ausgelassen werden oder die Aufmerksamkeit geteilt wird. Frustration kann es schwieriger machen, sich auf die eigentliche Aufgabe zu konzentrieren. Müdigkeit kann Aufmerksamkeit und Urteilsvermögen beeinträchtigen, während sich Selbstüberschätzung entwickeln kann, wenn eine Tätigkeit so vertraut geworden ist, dass sie immer weniger bewusste Aufmerksamkeit erfordert.
Diese Zustände gehören zum menschlichen Alltag. Entscheidend ist, was daraus entstehen kann.
Wenn jemand hektisch, frustriert, müde oder selbstüberschätzt ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, einen oder mehrere kritische Fehler zu machen.
Die vier kritischen Fehler
SafeStart konzentriert sich auf vier kritische Fehler:
- Augen nicht bei der Sache
- Kopf nicht bei der Sache
- in die Gefahrenzone geraten
- Gleichgewicht, Halt oder Griff verlieren
Der Zusammenhang zwischen Zuständen und Fehlern ist entscheidend.
Wer beispielsweise in Hektik durch ein Lager läuft, achtet möglicherweise weniger darauf, wohin er geht, und könnte dadurch in den Fahrweg eines Flurförderzeugs geraten. Ein müder Mitarbeiter kann bei einer vertrauten Tätigkeit die Konzentration verlieren. Bei Selbstüberschätzung kann die Aufmerksamkeit nachlassen, sodass Veränderungen in der Umgebung nicht rechtzeitig wahrgenommen werden.
Genau darum geht es beim SafeStart Zustands-Fehler-Muster. Wer lernt, einen Zustand zu erkennen, bevor daraus ein kritischer Fehler entsteht, hat die Möglichkeit, seine Aufmerksamkeit neu auszurichten und die Risikoexposition zu reduzieren.
Klassische Arbeitssicherheit und die Reduzierung menschlicher Fehler
Die Reduzierung menschlicher Fehler darf niemals als Ersatz für ein gutes Arbeitsschutzmanagement verstanden werden.
Technische Schutzmaßnahmen, Verfahren, Gefährdungsbeurteilungen, PSA, Aufsicht und Schulungen zur Einhaltung von Sicherheitsvorgaben spielen weiterhin eine zentrale Rolle beim Schutz der Mitarbeiter. SafeStart wurde entwickelt, um diese bestehenden Systeme zu ergänzen, nicht um sie zu ersetzen.
Klassische Schulungen vermitteln, was für sicheres Arbeiten erforderlich ist. Die Beschäftigung mit menschlichen Faktoren ergänzt dieses Wissen um praktische Fähigkeiten, die Mitarbeitern helfen können, auch dann sicher zu handeln, wenn Müdigkeit, Hektik oder Selbstüberschätzung ihre Leistungsfähigkeit beeinflussen.
Dies ist besonders bei erfahrenen Mitarbeitern relevant. Sie kennen möglicherweise bereits das Verfahren und verstehen die Gefährdung genau. Das Problem ist deshalb nicht immer fehlendes Wissen. Manchmal besteht die Herausforderung darin, bei einer sehr vertrauten Tätigkeit das erforderliche Maß an Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.
SafeStart konzentriert sich deshalb weniger darauf, Mitarbeitern weitere Regeln beizubringen. Vielmehr lernen sie zu erkennen, wann ihr eigener Zustand ihr Risiko erhöht.

Was für eine dauerhafte Verhaltensänderung notwendig ist
Eine einmalige Sensibilisierung führt nur selten zu einer dauerhaften Veränderung.
Neue Sicherheitsgewohnheiten benötigen Übung und Wiederholung, bis sichere Reaktionen im Alltag leichter abrufbar und zunehmend automatisch werden.
Die Arbeit von SafeStart zur Neurowissenschaft hinter den Techniken zur Reduzierung kritischer Fehler (CERTs) zeigt, welche wichtige Rolle Wiederholung bei der Entwicklung unterbewusster Sicherheitsreaktionen spielt.
Das bedeutet, die Konzepte durch Gespräche und praktische Anwendung im Arbeitsalltag kontinuierlich zu festigen, anstatt eine Schulung als einmaliges und abgeschlossenes Ereignis zu betrachten.
Wie SafeStart unbeabsichtigte menschliche Fehler reduziert
SafeStart konzentriert sich darauf, was geschieht, bevor ein unbeabsichtigter Fehler entsteht.
Mitarbeiter lernen, Zustände wie Hektik, Frustration, Müdigkeit und Selbstüberschätzung zu erkennen. Anschließend wenden sie praktische Techniken zur Reduzierung kritischer Fehler (CERTs) an, um zu verhindern, dass diese Zustände zu kritischen Fehlern führen.
Durch Wiederholung entwickeln sich diese Techniken zu stärkeren Gewohnheiten und trainieren unterbewusste Reaktionen. Ziel ist es, schnellere und zunehmend automatische Sicherheitsreaktionen aufzubauen, damit Menschen nahezu unmittelbar reagieren können, wenn ein Risiko steigt.
Ein Beispiel ist Müdigkeit beim Autofahren. Ein müder Fahrer gähnt möglicherweise oder bemerkt, dass seine Konzentration nachlässt. Mit ausreichend Übung kann dieses Gefühl von Müdigkeit selbst zum Auslöser werden, die Aufmerksamkeit wieder bewusst auf die Fahraufgabe zu richten.
Je häufiger diese Reaktion geübt wird, desto stärker und schneller wird sie. Das Gehirn entwickelt sich von der bewussten Anwendung einer Technik hin zu einer nahezu automatischen Reaktion. Genau deshalb spielt Wiederholung bei SafeStart eine so wichtige Rolle.
Welche Ergebnisse können Unternehmen realistisch erwarten?
Die Ergebnisse hängen unter anderem von der Unterstützung durch Führungskräfte, der Beteiligung der Mitarbeiter, der bestehenden Sicherheitsleistung und davon ab, wie konsequent die Konzepte im Arbeitsalltag verstärkt werden.
Unternehmen, die SafeStart einsetzen, berichten von deutlichen Reduzierungen bei Verletzungen sowie von Verbesserungen beim Sicherheitsbewusstsein und beim Engagement der Mitarbeiter.
Unsere Fallstudien zeigen konkrete Beispiele aus verschiedenen Unternehmen und Branchen.
Sicherere Gewohnheiten entwickeln und menschliche Fehler vermeiden
Menschliche Fehler sind nicht einfach ein anderes Wort für Unachtsamkeit. Sie sollten auch nicht die letzte Erklärung sein, wenn etwas schiefgeht.
Die entscheidendere Frage lautet: Was hat diesen Fehler beeinflusst und was könnte dazu beitragen, dass er beim nächsten Mal weniger wahrscheinlich wird?
Wer menschliche Fehler reduzieren möchte, muss deshalb auch die Faktoren verstehen, die diese Fehler wahrscheinlicher machen, und praktische Möglichkeiten entwickeln, darauf zu reagieren.
SafeStart baut diese Fähigkeiten rund um vorhersehbare Zustände und kritische Fehler auf. So können Mitarbeiter sicherere Gewohnheiten entwickeln und gleichzeitig die bestehenden Systeme der Arbeitssicherheit stärken.
Entdecken Sie die SafeStart Schulungen zu menschlichen Faktoren und erfahren Sie, wie Unternehmen unbeabsichtigte Fehler reduzieren und ihre Sicherheitskultur nachhaltig stärken können.
Published on 06.08.2026
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