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Arbeitsunfälle passieren tagtäglich in Unternehmen – weltweit. Trotz umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen und der definierten Null-Ziele sind es häufig dieselben Arten von Unfällen, die an der Tagesordnung stehen: von Ausrutschen und Stolpern über Schnittwunden bis hin zu Verstauchungen und Rückenverletzungen – oder schlimmerem. Die Ursachen dafür haben wir im Rahmen unserer Artikelreihe „Paradigmenwechsel in der Arbeitssicherheit“ im vergangenen Jahr von einer etwas andere Seite beleuchtet. Zum Start ins neue Jahr 2020 möchten wir Ihnen in einem kurzen Rückblick die zentralen Aussagen komprimiert aufzeigen.
Paradigmenwechselreihe 2019 – Eine neue Perspektive auf Arbeitssicherheit
Im Januar 2019 haben wir die innovative Paradigmenwechselreihe von Larry Wilson, CEO und Autor des SafeStart-Programms, initiiert. In diesen zwölf Artikeln eröffnet sich eine etwas andere Sichtweise auf die Themen Arbeitssicherheit und persönliche Sicherheit, die insbesondere klassische Ansätze kritisch hinterfragt und Lücken aufzeigt. In der Reihe finden sich auch zahlreiche Impulse, die Ihr bisheriges Wissen über Unfall- und Verletzungsursachen auf die Probe stellen. Denn erfahrungsgemäß sind es gerade die simplen Tätigkeiten, bei denen die meisten Arbeitsunfälle passieren. Entscheidend ist, wie aufmerksam wir bei diesen Tätigkeiten sind. Doch unsere Aufmerksamkeit ist verschiedenen – und oft auch persönlichen – Einflüssen unterworfen, die gerade im Kontext der Arbeitssicherheit leider stark unterschätzt werden.
Schauen Sie dazu auch unser Statement-Video von Christoph Schröder, Managing Director von SafeStart Europe, an.
Zusammenfassend sind hier die fünf Kernaussagen aus der Paradigmenwechsel-Reihe:
1. Arbeitsunfälle können immer passieren – doch die Ursachen sind andere als vermutet.
Selbst in Unternehmen mit einem vorbildlichen Arbeitssicherheitsmanagementsystem kommt es zu Arbeitsunfällen. Und auch dann, wenn Risikobewertungen mit größter Sorgfalt durchgeführt und alle relevanten Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden, stagnieren Unfall- und Verletzungsraten oft auf einem gleichbleibenden Niveau. Oft sind es aber immer wieder die gleichen Arten von Unfällen, die im Grunde genommen einem wiederkehrenden Unfallmuster folgen. Das bedeutet offensichtlich, dass die eigentlichen Ursachen bislang nicht angemessen berücksichtigt werden konnten.
2. Ein Unfall geht meist auf etwas „Unerwartetes“ zurück.
Niemand will „sich absichtlich verletzen“ – es muss also zuvor etwas Unvorhergesehenes passiert sein, das einen Arbeitsunfall auslöst. Und in der Regel handelt es sich dabei nicht um die Fehlfunktion einer Maschine oder um den Fehler einer anderen Person. Tatsächlich sind die meisten Unfallursachen auf die verunfallte Person selbst zurückzuführen: Ihr unterlaufen ein oder mehrere Fehler, die auch durch umfassende Sicherheitsmaßnahmen nicht abgewendet werden konnten. Genau genommen trifft dies auf ca. 90 Prozent aller Arbeitsunfälle zu.
3. Die klassische Risikobewertung deckt nur einen Teil ab.
Der Faktor Mensch wird in klassischen Ansätzen der Risikobewertung nicht genügend erfasst. Die herkömmliche Risikomatrix fokussiert sich auf die Klassifizierung der Tätigkeiten anhand der bekannten Dimensionen ‚Wahrscheinlichkeit eines Unfalls’ und ‚Schweregrad eines Unfalls’. Und Sicherheitsmaßnahmen werden vor allem im Bereich ‚hohe Wahrscheinlichkeit – hoher Schweregrad’ ergriffen. Entscheidend ist jedoch gar nicht so sehr die Tätigkeit selbst, sondern vielmehr wann wir sie ausführen – also in welchem emotionalen oder physischen Zustand sich die Person bei der Ausführung einer auch an sich einfachen Tätigkeit befindet.
4. Das Zustand-Fehler-Muster erklärt menschliches Versagen.
Menschliches Versagen – also Fehler – sind die Ursache der meisten Unfälle. Diese menschlichen Fehler erhöhen das Risiko für einen Unfall signifikant. In der Regel passieren uns aber kaum Fehler, wenn wir aufmerksam sind bei dem, was wir tun. Wenn wir uns jedoch im Moment der Tätigkeit in einem der vier Zustände von Hektik, Frustration, Müdigkeit oder Selbstüberschätzung befinden, sinkt diese Aufmerksamkeit und führt dazu, dass wir die Augen oder den Kopf nicht bei der Sache haben. Diese emotionalen oder physischen Zustände machen uns also deutlich anfälliger für einen menschlichen Fehler und dessen mögliche Folgen – nämlich einen Unfall. Dieses Muster bestätigt sich nicht nur in der Arbeitssicherheit, sondern lässt sich ebenfalls auf andere Bereiche des Lebens übertragen.
5. Vier Techniken zur Reduzierung kritischer Fehler helfen, menschliche Fehler zu vermeiden.
Die wirklichen Unfallursachen sind sowohl überschaubar als auch kontrollierbar. So wie wir uns zum Beispiel im Sport oder vielen anderen Tätigkeiten durch Training und Wiederholung verbessern, können wir genauso unsere Fähigkeiten trainieren, Fehler in Momenten der vier Zustände abzuwenden. Vier einfach anzuwendende Techniken zur Reduzierung kritischer Fehler, die den Faktor Mensch gezielt einbeziehen, helfen, das Sicherheitsbewusstsein zu schärfen und im richtigen Moment unterbewusste Reflexe auszulösen, um proaktiv Fehler, Unfälle und Verletzungen zu vermeiden.
Zum Nachlesen. Paradigmenwechsel in der Arbeitssicherheit
Die Paradigmenwechselreihe beleuchtet, wie Arbeitsunfälle wirklich entstehen und welche Rolle menschliche Faktoren dabei spielen. Sie zeigt auf, warum klassische Sicherheitsansätze oft an ihre Grenzen stoßen und wie Unternehmen durch neue Denkweisen wirksamere Prävention erreichen können.
In den Artikeln werden zentrale Zusammenhänge zwischen Verhalten, Entscheidungsfindung, Zuständen und Risiko verständlich erklärt. Dabei geht es nicht nur um Theorie, sondern um praxisnahe Perspektiven, die helfen, Sicherheit nachhaltig zu verbessern. Bei der Arbeit, zu Hause und unterwegs.
Sie können die gesamte Paradigmenwechselreihe aus dem Jahr 2019 erneut lesen oder gezielt einzelne Inhalte auswählen. Alle Artikel stehen Ihnen auch kostenfrei als PDF zur Verfügung.
Vom Wissen ins Tun kommen: Wenden Sie das neugewonnene Wissen an!
Natürlich steht jedes Unternehmen vor individuellen Herausforderungen in der Arbeitssicherheit: Je nach Branche, Automatisierungsgrad oder auch einfach je nach ausgeübter Tätigkeit treten unterschiedliche Risiken für die persönliche Sicherheit auf. Unternehmen mit dünner Personaldecke sehen sich oft mit Hektik im Produktionsalltag konfrontiert oder Unternehmen mit langjährigen Mitarbeitern kämpfen vielleicht mit Selbstüberschätzung. Jedoch haben wir festgestellt, dass diese Herausforderungen unabhängig von Branche, Unternehmensbereich oder Mitarbeitererfahrung bestehen: Die meisten der Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten, können bis zu 75% der Unfälle auf das oben angeführte ‚Zustand-Fehler-Muster’ zurückführen.
(Coverbild: Likewise)



