Persönliche Sicherheit ist eine lebenslange (Lern-)Aufgabe

Erwachsene verletzen sich seltener als Kinder, denn mit der Zeit lernen wir, Schmerzen immer besser zu vermeiden. Dieser Lerneffekt lässt jedoch nach und die persönliche Sicherheit stagnieren. Warum wir unsere eigenen Fähigkeiten in punkto Sicherheit überschätzen!

Persönliche Sicherheit ist eine lebenslange (Lern-)Aufgabe

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Es gehört zum lebenslangen Lernen, sich mit der Zeit immer weniger zu verletzen: Erwachsene haben wesentlich weniger Kratzer und Schürfwunden als Kinder. Denn als Kinder lernen wir, dass Fehler zu Schmerzen führen, und das wollen wir vermeiden. Irgendwann lässt der Lerneffekt nach und die persönliche Sicherheit scheint zu stagnieren. Wir halten uns für „sicher genug“. Zwar lernen wir auch als Erwachsene noch dazu, doch lange nicht mehr so nachhaltig und auch deutlich langsamer. In diesem Artikel erklären wir, warum wir unsere eigenen Fähigkeiten in punkto Sicherheit oft überschätzen und wie wir das ändern können.

Wir überschätzen unsere persönliche Sicherheit

Im Grunde ist die Entwicklung unserer persönlichen Sicherheit enorm: unser Durchschnitt von etwa 6 bis 12 Verletzungen pro Woche, den wir als Kinder haben, sinkt drastisch bis wir das Erwachsenenalter erreichen. Im Ergebnis pendeln wir uns bei etwa 20 Verletzungen pro Jahr ein. Die Lernkurve setzt sich also nicht kontinuierlich fort, sodass wir uns immer weniger verletzen und schließlich gar nicht mehr – auch wenn wir das natürlich gerne hätten. Stattdessen befinden wir uns irgendwann in einer Art persönlichem Gleichgewicht aus Sicherheit, Verletzungen und Schmerz.

Sich weniger zu verletzen bedeutet nicht, sich bereits sicher zu verhalten

Wir haben also den direkten Vergleich von rund 10 Verletzungen pro Woche gegenüber derselben Anzahl in einem Jahr. Wir halten uns für sicher genug. Dadurch werden wir jedoch umso anfälliger dafür, unsere persönliche Sicherheit zu überschätzen – und zwar ganz massiv. Denn auch, wenn wir uns weniger verletzen, vergessen wir drei zentrale Aspekte, die unsere persönliche Sicherheit entscheidend prägen.

1. Im Erwachsenenalter haben wir weniger Verletzungen – diese fallen jedoch umso schwerer aus.

Als Kind bedeutete ein Sturz vom Tretroller ein paar Kratzer und eine Schürfwunde am Knie. Ein Sturz vom Baugerüst hingegen kann tödlich enden. Tatsächlich ist es so, dass Stürze diejenigen Unfälle sind, die die schwerwiegendsten Folgen nach sich ziehen. Das gilt sowohl für Arbeitsunfälle als auch für Tätigkeiten zu Hause und unterwegs: Stürze von der Leiter beim Kirschenpflücken oder Fensterputzen, vom Fahrrad oder zu Fuß bei Glatteis ziehen häufig schwere Verletzungen oder sogar den Tod nach sich.

2. Ab einem Alter von 45 Jahren steigen die Unfallzahlen wieder an.

Durch Übung werden wir ruhiger und wissen, worauf wir achten müssen. Es passiert seltener etwas und wir verletzen uns weniger. Ein negativer Nebeneffekt dieser Erfahrung ist, dass wir mit zunehmender Routine zu Selbstüberschätzung neigen und womöglich Multitasking betreiben. Denn unsere persönliche Sicherheit ist unmittelbar von unserer Aufmerksamkeit abhängig. Ganz konkret davon, ob wir die Augen und den Kopf bei der Sache haben.

3. Routine suggeriert uns, dass wir sicher genug sind – und gefährdet uns zusätzlich.

Gewöhnen wir uns an ständige Gefahrensituationen, tritt das Bewusstsein dafür in den Hintergrund. Das reale Risiko beim Umgang mit ätzenden Gefahrstoffen bleibt jedoch dasselbe. In diesem Fall wird der Gewöhnungseffekt zur Gefährdung, indem das Risiko „normal“ wird. Auch per se ungefährliche Tätigkeiten bergen durch Unaufmerksamkeit plötzlich gravierende Risiken. Dadurch verletzen wir uns mit zunehmender Erfahrung nicht unbedingt seltener. Vielmehr besteht die Gefahr, dass wir uns wieder öfter verletzen – und unter Umständen auch schwerer.

Verletzungszahlen reduzieren: Eine lebenslange (Lern-)Aufgabe

Trotz Arbeitssicherheits-Schulungen ziehen sich Mitarbeiter weiterhin arbeitsbedingte Verletzungen zu und fallen über längere Zeit aus. In 9 von 10 Fällen spielt mindestens einer der folgenden Zustände eine Rolle:

  • Hektik
  • Müdigkeit
  • Frustration
  • Selbstüberschätzung.

Wir alle durchlaufen diese Zustände mehrmals täglich und werden dann anfälliger für Fehler, die zu Unfällen führen können. Entwickeln wir jedoch ein Bewusstsein für diese Zustände, dann sind wir in der Lage, die Gefahr, die von ihnen ausgeht, rechtzeitig zu erkennen, richtig zu reagieren und Unfälle zu vermeiden. Das heißt, dass die Aufgabe darin besteht, im entscheidenden Moment präsent zu sein und auf diese Zustände zu reagieren. Letztendlich ist sicheres Verhalten also eine Fertigkeit, die wir erlernen können und die uns ein Leben lang begleitet.

Welches Muster hinter potenziell folgenreichen Fehlern steht, was Sie konkret tun können, um diese zu vermeiden und sich nachhaltig sicher zu verhalten, erfahren Sie hier in unserer Broschüre oder unter Implementierung von SafeStart. Wir beantworten auch gern persönlich Ihre Fragen – beispielsweise in einer kostenfreien Online-Präsentation. Bei Fragen, Anregungen und Anliegen aller Art kontaktieren Sie uns jederzeit!

Verletzungszahlen lassen sich auch bei Erwachsenen verringern: Geben Sie sich nicht mit dem Gleichgewicht aus Sicherheit und Verletzungen zufrieden!

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(Coverbild: © Daisy Daisy | stock.adobe.com)

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