Wann sind wir „sicher genug“?

Was bedeutet es, sicher genug zu sein oder sich sicher genug zu fühlen im Kontext der Arbeitssicherheit? Letztendlich baut das gesamte Sicherheitsmanagementsystem eines Unternehmens darauf auf. Was jeder Einzelne lernen kann, um wirklich sicher genug zu sein!

Wann sind wir „sicher genug“?

Was bedeutet es, sicher genug zu sein oder sich sicher genug zu fühlen? Besonders wenn es um Arbeitssicherheit geht, ist die Frage, wann wir sicher genug sind, entscheidend. Denn letztendlich baut das gesamte Sicherheitsmanagementsystem eines Unternehmens auf dieser Frage auf. Meist fühlen wir uns „sicher genug“, wenn wir bestimmte Tätigkeiten schon sehr oft ausgeführt haben. Doch nur, weil wir Berufserfahrung sammeln, uns an Sicherheitsrisiken gewöhnen und wir die Regeln beachten, sind wir noch lange nicht sicher genug. Oftmals steigen mit zunehmender Berufserfahrung die Unfallzahlen und die Schwere ihrer Folgen deutlich an. Dennoch gibt es Einzelne, die trotz langjähriger Tätigkeit in einem gefährlichen Umfeld nie ernsthafte Verletzungen davon getragen haben. Was können wir von diesen Personen lernen?

Gefährliche Mischung: Gewöhnungseffekt und Selbstüberschätzung

Mit Übung und Erfahrung werden wir besser in dem, was wir tun: Ob es nun das Reparieren eines Motors ist, das Anmischen toxischer Werkstoffe oder das Schleifen von Sägeblättern. Unsere Fertigkeiten verbessern sich durch Übung. Aber gleichzeitig gewöhnen wir uns an bestehende Sicherheitsrisiken, schätzen diese falsch ein und werden nachlässig. Deshalb steigen auch ab einem bestimmten Punkt arbeitsbedingte Verletzungen und Arbeitsunfälle sprunghaft an.

Von außergewöhnlichen Fällen lernen

Die gute Nachricht: Wir sind diesem fatalen Zusammenspiel aus Gewöhnung und Selbstüberschätzung nicht schutzlos ausgeliefert. Dies belegen unsere Erfahrungen bei Trainings und Umfragen unter den Teilnehmern unserer Workshops und Trainingsschulungen. Einen Schlüssel zu sicherem Verhalten geben Gespräche mit Menschen, die

  • In einem Arbeitsumfeld arbeiten, das zahlreiche offenkundige Gefahrenquellen beinhaltet, beispielsweise in einem Sägewerk
  • Schon mehrere Jahrzehnte dort arbeiten
  • Noch nie eine arbeitsbedingte Verletzung erlitten haben
  • Während zahlreiche Kollegen in der gleichen Zeit teilweise schwerwiegende Arbeitsunfälle hatten.

Diese Beispiele zeigen: Es muss sicherheitsrelevante Verhaltensweisen geben, die sich diese Menschen angeeignet haben – und die anderen nicht im gleichen Umfang bewusst sind.

Den Gewöhnungseffekt durchbrechen: Immer aufmerksam bleiben

Die Erkenntnisse aus unseren Umfragen unter Schulungsteilnehmern sind auch in die SafeStart-Maethodik eingeflossen. Denn viele dieser Personen, die sich noch nie verletzt hatten, haben etwas gemeinsam: Sie verfügen über ein Verständnis für die Zustände, die uns anfälliger für Fehler machen. Ganz konkret sind dies Hektik, Frustration, Müdigkeit und Selbstüberschätzung, die uns von unseren Aufgaben ablenken. Hier spielt auch der Gewöhnungseffekt hinein, der maßgeblich für den Zustand der Selbstüberschätzung verantwortlich ist. Vor den genannten vier Zuständen schützen uns weder Lebens- noch Berufserfahrung. Sicher genug verhalten wir uns erst, wenn wir uns nicht ablrouenken lassen und so Fehler vermeiden, die zu Unfällen führen können.

Sicheres Verhalten lässt sich lernen

Aufgrund unserer Erfahrung aus mehr als zwanzig Jahren SafeStart können wir sagen, dass sicheres Verhalten letztendlich eine Fertigkeit ist, die sich wie alle anderen Fertigkeiten auch, erlernen lässt. Hierzu gehört zum Beispiel ein Bewusstsein dafür, wenn wir uns in einem emotionalen oder physischen Zustand befinden, der uns anfälliger für Fehler macht –weil wir schlecht geschlafen haben, unter Zeitdruck eine Charge fertigstellen müssen oder wir gerade die schlechte Laune des Kollegen abbekommen haben. Dies gefährdet uns zusätzlich und unbewusst – und macht uns sozusagen alles andere als „sicher genug“.

Sicher genug: Mehr als Regeln und Erfahrungswerte

In diesem Fall reicht auch der Schutz durch Sicherheitsregeln und -maßnahmen sowie das Tragen der Schutzkleidung nicht aus. Deshalb gilt es, in Echtzeit zu handeln und ein Bewusstsein für diese Einflussfaktoren zu entwickeln. Mit dem SafeStart-Programm ergibt sich die Möglichkeit,

  • dem Gewöhnungseffekt entgegen zu wirken
  • ablenkende Zustände rechtzeitig zu erkennen
  • gezielt zu reagieren
  • Fehler zu verhindern
  • Verletzungen und Unfälle zu vermeiden.

Mehr darüber, was SafeStart für die Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen tun kann, erfahren Sie in unserem Kernprogramm. Wenn Sie sich dafür interessieren, auf welchen praktischen Erfahrungen das SafeStart-Konzept fußt, empfehlen wir den Artikel „Menschliches Fehlverhalten entschlüsselt“. Diesen können Sie neben weiteren spannenden Artikeln hier auf der Website kostenfrei herunterladen:

Hier geht’s zum Artikel „Menschliches Fehlverhalten Entschlüsselt“

(Coverbild: © Artem | stock.adobe.com)

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